Ausflüge
Leider ist es hier immer noch nicht
möglich, Besichtigungen auf eigene Faust zu unternehmen und
Führer arbeiten hier auch nicht immer. Darum gehe ich immer
zu Fuss, dann gehe ich sicher nicht weit und damit nicht in
Gegenden, die ich alleine nicht betreten sollte. An den
Wochenenden (d.h. am Sonntag) ist es daher schon etwas langweilig
alleine.
Einführung am Spital
Ich bin von Schweizer Volontären
eingeführt und herum geführt worden; bei den
Einheimischen scheint es nicht so üblich zu sein, den Neuen
die wichtigsten Dinge zu zeigen, was etwas schade ist und wohl
auch schon einige Neue gestresst hat.
Einladung bei Einheimischen
Am dritten Wochenende meines Praktikums
veranstalteten einige Spitalangestellte bei einem der Ärzte
zu Hause ein Barbecue / Hanging und ich wurde auch dazu
eingeladen (Kostenpunkt: SBD 50 = CHF 10). Ein Arzt wollte mich
am Samstag nach seinem Rugby-Match um ca. 18.30 Uhr abholen. Als
er dann um 19.20 Uhr auftauchte, hatte ich schon fast gewettet,
dass er mich vergessen hat. Aber eben: Solomon time! Wir fuhren
ganz in den Westen von Honiara auf einen Hügel zu einem
Arzt, der (wie ich erfuhr) vor 100 Tagen seine Frau verloren
hatte. Nach 100 Tagen ist es hier üblich, dass Freunde dem
Witwer (oder der Witwe) einen Besuch abstatten, Essen mitbringen
und Zeit mit ihm/ihr verbringen. Ich bin sicher, bei Tage
hätte man von hier oben einen wunderbaren Ausblick über
die Stadt, über das Meer bis zu den Inseln vor Guadalcanal
(Savo und Nggela). Nach 19 Uhr ist es aber stockdunkel, und man
konnte nur das hell beleuchtete Gefängnis sehen. Ich kannte
die meisten Anwesenden vom Spital her, wurde begrüsst und
sollte bei den Männern Platz nehmen, während die Frauen
über dem Feuer kochten. Üblicherweise bleiben die
Frauen unter den Frauen und die Männer unter den
Männern. Man hatte also vor dem Haus eine Feuerstelle
aufgebaut. Daneben lagen geflochtene Matten, auf denen die
Männer kreuz und quer sassen. Einer der Gäste war
dabei, ein spezielles Getränk ('grog' oder Kava) zu brauen,
und das geht etwa so: eine spezielle Pflanzenwurzel (Piper
methysticum) wird geschält, gewaschen und in Stücke
gehackt. Diese Stücke werden in sauberes Wasser gegeben. So
entsteht ein Getränk, das anschliessend in eine spezielle
Schale gegeben und von dort in einem speziellen Becher (1/2 harte
Kokosnussschale) herum gereicht wird. Es gibt nur einen Becher!
Derjenige, der das Getränk zubereitet hat, klatscht 2 mal in
die Hände, füllt dann den Becher und reicht ihn einer
Person. Diese Person kann den Becher entweder weiter geben, oder
sich mit der linken Hand 2 mal auf den linken Oberschenkel
klopfen, als Zeichen dafür, dass er den Becher annimmt. Dann
muss der Becher in einem Zug leer getrunken werden, sonst
schmeckt es nicht, und der Becher geht zurück zum
Ausschenkenden, der ihn wieder füllt, etc. Nach dem Trinken
klatscht man wieder in die Hände als Zeichen, dass es
geschmeckt hat. Ich (als Gast) kam zuerst in den Genuss dieses
Getränkes. Nach meinem ersten (und einzigen) Becher sagte
man mir, dass Zunge und Lippen von dem Getränk
gefühllos werden. Diese Wirkung habe ich nicht so stark
gespürt. Aber die Männer um mich herum wurden mit jedem
Becher redseliger. Während also so der Becher von Hand zu
Hand ging, ging gleichzeitig eine Gitarre von Hand zu Hand. Jeder
kann hier Gitarre spielen! Der Spieler sucht sich die Lieder aus
und beginnt auch zu singen. Wer Lust hat, singt mit. Wenn der
Spieler nicht mehr spielen mag, gibt er die Gitarre weiter und
alle danken ihm (in der Sprache der Fijianer, wo sie alle
studiert haben) für sein Spiel. Zwei Lieder habe ich
gekannt: Let it be und Amazing Grace! Letzteres wurde sehr oft
gespielt und ist mir die ganze Woche nachgelaufen. Dann wurde zu
Tisch gebeten. Zuerst wurde ein Gebet gesprochen. Anschliessend
mussten sich zuerst die Frauen die Teller füllen, dann erst
die Männer. Wir setzten uns auf den Boden und assen das
köstliche Mal mit den Fingern. Hier habe ich nun den Frauen
Gesellschaft geleistet und es war ein sehr interessanter Abend,
auch wenn ich nicht alles von den Gesprächen (auf Pidgin)
verstanden habe. Es war wirklich einmalig, unvergesslich,
wunderbar, ...
Erwartungen
Ich habe zwei Schweizer (er Arzt, sie
Krankenschwester) getroffen, die ursprünglich 3 Monate hier
arbeiten wollten, das Unternehmen aber nach 5 Wochen abgebrochen
haben, weil sie hier nicht das angetroffen haben, was sie sich
vorgestellt hatten. Die beiden bereuen nicht, dass sie
hergekommen sind, aber sie haben es nach gut einem Monat gesehen.
Mein Gespräch mit ihnen hat mir gezeigt, dass meine mentale
Vorbereitung auf dieses Abenteuer gar nicht so schlecht war:
- keine grossen Erwartungen
- keine klaren Vorstellungen, was mich hier erwartet
- alles auf mich zukommen lassen
- mir Zeit geben, mich an die Situation zu gewöhnen
Lohn am Freitag
Hier gibt es jeden zweiten Freitag Lohn (dies
ist in allen Kalendern, die ich hier zu Gesicht bekommen habe,
stark markiert!). Weil die Solomon Islander aber den Banken nicht
trauen, und / oder weil sie das Geld brauchen, erscheinen sie an
diesen Freitagen nicht zur Arbeit, sondern stehen vor der Bank
Schlange, in der Hoffnung, es hat noch genug Noten für ihren
Lohn, wenn sie an der Reihe sind.
Restaurantbesuch
Das Restaurant bestand aus einem kleinen
Zimmer, an dessen einer Wand kleine Tische, die auf eine
kitschige Art für vier Personen gedeckt waren, standen, und
dessen andere Wand ein Bild von Palmen am Strand zierte, sodass
man das Gefühl hatte, direkt am Meer zu essen. Nachdem die
Bestellung aufgenommen worden war, mussten wir etwa eine Stunde
warten, bis die erste Person ihren Salatteller bekam. Als sie
diesen fertig gegessen hatte, wurde meine Vorspeise (ein
ausgezeichnetes Knoblauchbrot) gebracht. Und so ging es den
ganzen Abend: sobald jemand den Teller leer gegessen hatte, bekam
die nächste Person etwas zu essen.
Noch einige Bemerkungen hierzu:
- wir waren zu dritt und die einzigen essenden Personen in
diesem kleinen Restaurant
- den Hauptgang konnten wir fast gleichzeitig essen, denn wir
hatten das gleiche Menu bestellt
- eine Zeit lang war auch noch Stromausfall, sodass wir in
den Genuss eines Candle-light-dinners kamen (mit ABBA-Musik im
Hintergrund)
- wieder eine "Solomon time" Erfahrung mehr
Wetter und Wasser
Wir hoffen jeden Tag, dass es endlich wieder
einmal regnen wird, einerseits um die Luft zu säubern,
andererseits wird das Wasser langsam knapp und wir fürchten,
dass sie uns das Wasser bald nicht nur stundenweise, sondern viel
länger abstellen.
© September 2003 Corinne Thür
Corinne Thür absolviert als Medizinstudentin ein
dreimonatiges Praktikum in der Chirurgie am NRH in Honiara.
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