Dienstag 3. April 2001
In Brisbane Abfahrt mit dem Taxi vom Hotel zum Flughafen. Ein
anderer Hotelgast wartet auch auf Transport, so fahren wir
gemeinsam. Beim Check-In stellt die nette Dame fest, dass ich 16
Kg Übergewicht im Gepäck habe. Das koste pro Kg Fr.
9.50. Schliesslich kann ich sie dazu bewegen, dies etwas billiger
zu machen. Es werden mir schlussendlich noch 59.- australische
Dollar verrechnet. Der Flug verzögert sich lange. Wir sitzen
fast 2 Stunden im Flugzeug und warten. Der Pilot gibt einmal
durch, er warte auf das Gepäck. In Wirklichkeit behält
die der Flughafendirektion das Gepäck zurück, bis die
Taxen bezahlt sind. Das Flugzeug wird von Solomon Airlines nur
geleast von der Quantas und funktioniert nur, wenn das Geld vor
dem Abflug bei der Quantas eingetroffen ist. Darum können
die Solomon Airlines auch keinen Flugplan machen, und es wird von
Tag zu Tag entschieden, ob geflogen wird oder eben nicht.
Die Salomoninseln wirken nicht gerade einladend, vor allem
nicht für Touristen. Ich wohne im Moment bei Hermann und
Elisabeth Oberli.
Mittwoch 4. April
Am Morgen fahren wir in die Stadt zur Dental Clinic und
begrüssen den Chef, Dr. Cedric, der mir die ganze
Dentalabteilung zeigt. Diese ist in einem bedenklichen Zustand.
Mir wird bei der Besichtigung fast übel, wenn ich daran
denke, hier behandelt zu werden. Ich begrüsse auch noch den
Elektriker, der zeigt aber kein besonderes Interesse an der zu
erwartenden Arbeit. In einem Lagerhaus des
Gesundheitsministeriums suchen wir später eine neue
Vakuumpumpe, die für die Dental Clinic gebraucht wird. Wir
finden sie, aber wie kommt diese nun in die Klinik?
Ich werde aber scheinbar dringendst in Gizo erwartet; dort
funktioniert offenbar der Generator für das Spital nicht
mehr. Wir kaufen am Nachmittag zuerst ein Ticket nach Gizo
für den nächsten Tag. Ob der Flug auch stattfindet, ist
hingegen noch ungewiss. Für den Geldwechsel in Solomon
Dollar ist es aber bereits zu spät, denn die Banken
schliessen bereits um 15.00 Uhr.
Donnerstag 5. April
Heute gilt es früh aufzustehen. Der Flug ist auf 07.00
Uhr angesetzt, und deshalb muss man bereits um 06.30 Uhr auf dem
Flughafen sein. Hermann bringt mich hin. Viele Leute stehen in
dem kleinen Abfluggebäude herum, man weis nicht so recht,
wie es weitergeht. Wir finden endlich einen Mitarbeiter der
Solomon Airlines, der mir mein Ticket abnimmt und mir befiehlt,
auf die Waage zu stehen. Dann teilt er mir mit, der Flug sei um
eine Stunde verschoben. Endlich heisst es, die Passagiere nach
Gizo könnten einsteigen. Eine ältere, etwas vergammelte
zweimotorige Maschine der Solomon Airlines steht bereit; eine
nette, hübsche Hostess kommt auch mit, und damit beginnt das
Abenteuer. Der Flug dauert anderthalb Stunden und endet auf einer
kleinen Insel mit einer Graspiste. Auf dieser Insel, Nu'usatupe,
gibt es nur die Piste und sonst nichts. Weiter geht's mit dem
Motorboot. Das Spital holt mich mit seinem Schiff ab. Ich werde
hier herzlich begrüsst vom Buchhalter Alfred und vom Arzt
Dr. Divi. Sie erklären mir die Probleme hier im Spital und
zeigen mir die Standorte. Hier etwas zu reparieren, ist
natürlich nicht so einfach, denn es fehlen die Werkzeuge und
auch die Unterlagen. Die Leute im Spital sind sehr hilfsbereit,
was man aber vom örtlichen Elektriker nicht sagen kann.
Ich übernachte in einem Haus vom Spital, gehe kurz vor
Ladenschluss die nötigsten Sachen einkaufen und koche mir
anschliessend mein Nachtessen.
Freitag 6. April
Das Hauptproblem ist, dass der Notstromgenerator bereits seit
9 Monaten nicht mehr funktioniert. Ich stellte fest, dass halt
sehr viele Komponenten durch die Umwelteinflüsse stark
gelitten haben. Das feuchte, warme, salzige Klima lässt
vieles korrodieren. Wie repariert man nun eine Maschine ohne
Unterlagen? Verschiedene lose Kabel schliesse ich zuerst einmal
wieder richtig an. Ich zerlege den Anlasser und reinige ihn.
Nachdem ich alles wieder zusammengesetzt habe, tut der Motor noch
immer keinen Wank. Ich entschliesse mich, das vermutlich defekte
Starterrelais zu überbrücken. Die Maschine macht nun
den ersten Startversuch. So, das Problem ist gefunden, aber die
Batterie ist noch zu schwach. Mit einer zusätzlichen zweiten
Batterie mache ich den nächsten Versuch. Gestartet wird nun,
indem ich mit einem Schraubenzieher das Anlassrelais
überbrücke, und siehe da, der Motor springt an! Ich
habe in diesem Moment eine grössere Zuschauergruppe um das
Generatorenhaus, und alle jubeln. Das Motorengeräusch zieht
innert kurzer Zeit noch mehr Zuschauer an.
Weitere defekte Apparate werden mir nun laufend gemeldet. Ein
Sterilisator hat einen defekten Temperaturregler, den ich ausbaue
und mit nach Honiara bringe. Ein Gerät im Operationssaal
für die Blutstillung funktionierte nicht mehr, weil die
Kontaktplatte über lange Zeit nicht mehr gereinigt worden
ist. Bei einem Gerät für die Beatmung ist die
Feinsicherung defekt, und bei der zentralen Funkeinrichtung haben
sie Batterieprobleme.
Nachdem nun diese Reparaturen erledigt sind, gehe ich zum
Büro der Solomon Airlines, um den Rückflug für
Samstagmorgen zu organisieren. Das geht problemlos. Der Flug ist
um 08.40 Uhr angesagt. Ich muss auch noch das Boot vom Hotel
für den Morgen organisieren, denn das Personal vom Spital
müsste extra aufgeboten werden, um mich zum Flughafen zu
bringen, und das kostet für das Spital viel zu viel.
Samstag 7. April
Ich warte zur Zeit beim Hotelsteg für die Überfahrt
zum Flugplatz. Niemand ist hier, der das Schiff in Bewegung
setzen will. In der Hotelrezeption sagt man mir, das Boot
würde erst fahren, wenn die Solomon Airlines
bestätigten, es werde heute geflogen. Im Büro der
Fluggesellschaft ist aber niemand zu finden, also fahren wir auch
nicht zum Flugplatz. Kurze Zeit später erscheint dann das
Personal, und es geht los. Mit einiger Verspätung erscheint
die Maschine, und ohne grosse Formalitäten wird
eingestiegen. Diese Maschine fliegt auf dem Rückflug noch 3
weitere Inseln an, und mit grosser Verspätung treffen wir in
Honiara ein. In meinem Gepäck habe ich auch noch 24 Eier
für Elisabeth Oberli, denn in ganz Honiara gibt es seit
Monaten keine Eier mehr. Hermann holt mich auf dem Flugplatz ab,
und wir kommen gerade zur rechten Zeit zurück. Elisabeth hat
das Mittagessen bereit. Am Abend sind wir von einer Schweizerin,
Fräulein Idlette Liechti, zum Nachtessen im Hotel Mendana
eingeladen. Sie ist heute gegen die 70 Jahre alt und hat viele
Jahre in Honiara gelebt. Sie lebt jetzt wieder in der Schweiz und
kommt nur noch selten auf die Salomonen.
Sonntag 8. April
Es ist ein regnerischer Sonntag, und es bleibt nichts anderes,
als herumzuliegen und zu lesen. Elisabeth hat zum Nachtessen
heute noch zwei Freunde eingeladen: Heiner ist ein pensionierter
Braumeister aus Düsseldorf und ist zur Zeit als Aushilfe bei
der hiesigen Brauerei angestellt, was er schon viele Male gemacht
hat, und James arbeitet beim IKRK zusammen mit Hermann. Elisabeth
bereitet uns ein super Nachtessen zu, und es ergeben sich
angeregte Diskussionen bis tief in die Nacht hinein.
Montag 9. April
Der Tag beginnt schon sehr früh, denn etwa um 02.00 Uhr
wird ganz in der Nähe des Hauses geschossen, mindestens 50
Schüsse. Alle erwachen, es bleibt aber mäuschenstill.
Ich kann aus Angst kein Auge mehr zutun bis zum Morgen. Hermann
meint beim Frühstück ganz trocken: "Hast du eigentlich
damals in der Schweizer Armee noch nie Schüsse gehört?"
Am liebsten wäre ich aber auf den nächsten Flieger, nur
weg von hier! Die Arbeit hier hat aber noch gar nicht so richtig
angefangen, also reden wir von der Arbeit! Diese beginnt am
Morgen mit dem Zusammentragen des Materials von den verschiedenen
Standorten. Hermann organisiert ein Fahrzeug und Leute beim IKRK.
Ich mache mich mit diesen auf den Weg. Wenn man diese Leute nur
einen kurzen Augenblick nicht beschäftigt, so sind sie
gleich verschwunden. Es ist nicht einfach, sie zusammenzuhalten.
Es gelingt mir aber, in kurzer Zeit das meiste Material in die
Klinik zu schaffen. Bis zum Mittagessen ist alles sortiert. Ich
merke aber, dass ich noch ganz wichtige Teile vermisse. Der Elektriker besichtigt
seine Arbeit vor dem Mittag und verspricht mir, um 13.00 Uhr
weiterzumachen. Er ist dann aber bis 14.30 Uhr nicht wieder
aufzufinden. Ich esse heute Mittag in der Spitalkantine und bin
nach kurzer Zeit wieder in der Zahnklinik. Ich suche weiter nach
den vermissten Sachen, aber nichts ist aufzufinden. Nun suche ich
nach einem Fahrer, der mich zum Lagerhaus des Spitals und zum
IKRK-Lagerhaus bringen kann, aber es ist keiner aufzutreiben. In
diesem Moment kommt Hermann angefahren und gibt mir sein Auto,
sodass ich selber fahren kann. Einen Teil der gesuchten
Ausrüstung finde ich im einen Lagerhaus. Zurück in der
Clinic suche ich mit Hermann noch im OP des Spitals, und siehe
da, wir finden in verschiedenen Schachteln und in verschiedenen
Räumen das restliche Material bis auf die
Pneumatikleitungen, die einfach nicht aufzufinden sind. Bis gegen
Abend steht der Zahnarztstuhl von Heinz Hälg aus Herisau in
der Klinik. Die Arbeiten für die verschiedenen Handwerker im
Spital sind verteilt, und es ist abgemacht, dass diese bis am
nächsten Mittag fertig seien. Ich lasse mich gerne
überraschen, glaube aber nicht so recht daran.
Dienstag 10. April
Heute morgen sind die Handwerker vom Spital, der Schreiner und
der Sanitärler, an der Arbeit, aber der Elektriker hat sich
wegen einer anderen dringenderen Arbeit abgemeldet. Das Loch am
Boden ist bald einmal ausgesägt, und die notwendigen
Befestigungen am Boden sind gemacht. Als nächstes sollte der
Sanitärler die Verbindungen von Druckluft und Frischwasser
vom alten Standort zum neuen Anschlusspunkt erstellen. Ich schaue
dies mit ihn an, und es scheint keine Probleme zu geben. Einige
Stunden später, gegen Abend, erscheint er wieder und sagt,
er könne nichts machen, er habe kein Material. Um die neu zu
installierende Vakuumpumpe machen alle Handwerker einen grossen
Bogen, denn diese gibt ja nur Arbeit, und darauf sind sie nicht
unbedingt scharf. Mit dem Elektriker schauen wir die
auszuführenden Arbeiten aber noch im Detail an. Auch er sagt
uns, er habe kein Material dazu, also könne er nichts
machen.
Kurz vor Arbeitsschluss sollte mir der Elektriker noch die
Zahnarzteinrichtung anschliessen, eine wirklich kleine Arbeit:
ein Kabel verlängern und an drei Klemmen montieren. Die
erste Schraube, die er anzieht, bricht gleich ab. Nun schicke ich
ihn halt fort und schliesse das Kabel später selber an. Das
nötige Material dazu ist aber auch nicht vorhanden. Gegen
Abend gehe ich mit Hermann auf die Suche nach den notwendigen
Artikeln, zusätzlich brauchen wir auch noch ein
Starterrelais für den Generator in Gizo. Beim Elektroladen
finden wir zuerst einmal das nötige für die
Vakuumpumpe, aber kein Starterrelais. Im nächsten Laden
finden wir dann ein Starterrelais in einer Ecke versteckt, in
einer falschen Schachtel, offensichtlich ein Ladenhüter,
aber für uns das gesuchte. Um ganz sicher zu sein, will ich
dieses noch an einer Batterie anschliessen und die Funktion
testen, was bereits wieder grössere Probleme gibt, denn wo
haben wir eine Batterie? Schliesslich funktioniert es. Beim
Durchmarschieren im Laden sehe ich auch noch diverse
Verschraubungen herumliegen, und so versuchen wir, das Material
für die Luft- und Wasserverbindungen zusammenzukriegen. Dies
gelingt uns allerdings nicht.
Ebenfalls heute Nachmittag gehen wir auf die Suche nach einem
Schlosser. Wir benötigen eine Verlängerung für die
Säule von der Decke, um die Lampe und den
Röntgenapparat zu montieren. Auch dies ist nicht einfach,
denn fast alle früheren Schlossereien sind geschlossen. An
einer Adresse, die uns der Elektriker Brendon angibt, wurden wir
fündig. Der Schlosser schaut sich das Problem an, und nach
längerem Diskutieren verspricht er uns die Säule auf
den Mittwochnachmittag. So ist dieser Tag auch gelaufen, und wir
haben noch keine Luft- und Wasserverbindungen. Am Abend
telefoniert Hermann mit dem Braumeister Heiner, ob er vielleicht
eine Idee habe, wo man das Material beschaffen könnte, mit
dem klaren Hintergedanken, er helfe uns mit seiner Werkstatt.
Dies funktioniert gut. Heiner bestellt uns auf den nächsten
Morgen in die Brauerei.
Mittwoch, 11. April
Heute ist die erste Aktion, früh am Morgen in die
Brauerei zu fahren und den Braumeister zu suchen. Heiner schaut
sich die Anschlüsse an und sagt sofort: "Da finden wir eine
Lösung, meine Burschen schaffen das auf jeden Fall". Noch
ist zwar keiner zur Arbeit erschienen! Nach einer kurzen
Brauereibesichtigung entschliessen wir uns, dass ich alleine in
der Brauerei auf das Personal warte. Hermann fährt
zurück zum Spital. Heiner wird mich später, wenn die
Verbindungen erstellt sind, ins Spital zurückbringen. Kurze
Zeit darauf erscheinen die Leute, und sie sind sofort mit
Begeisterung an der Arbeit. Die Schlosser, Elektriker und
Mechaniker helfen mit beim Suchen der Einzelteile und erstellen
sogar eine Spezialverschraubung aus zwei Einzelverschraubungen.
Bei jeder wird ein Stück abgedreht, dann werden die beiden
Teile zusammengelötet. Mein Sanitärler im Spital staunt
nicht schlecht, als er die beiden Verbindungsstücke sieht.
Der Schreiner öffnet heute die Decke und bringt für die
Aufhängung der Säule Verstärkungen in der Decke
an.
Der Elektriker ist teilweise mit der Installation der
Vakuumpumpen beschäftigt, mehrheitlich ist er aber abwesend.
Er verspricht uns, bis am Abend fertig zu sein. So um 16 Uhr sehe
ich ihn zusammenpacken, aber nichts ist fertig, nicht einmal die
Hälfte ist gemacht. Er lacht nur und sagt: "Das Material ist
mir halt ausgegangen, also kann ich's nicht machen!" Hermann
verbringt einige Zeit mit dem Sanitärler, um das notwendige
Rohrmaterial für den Anschluss der Vakuumpumpe in der Stadt
zu organisieren. Ich baue heute, wenn ich nicht gerade Handwerker
am Suchen bin, meine Zahnarzteinrichtung zusammen. Dies sollte
nicht so schwierig sein, denn der Monteur in der Schweiz hat alle
Einzelteile und Anschlüsse gut bezeichnet. Ich schliesse
auch den Stuhl selber sehr schnell an den Strom an, um die
Funktionen zu testen. Er fährt hinauf und nicht mehr
hinunter. Die restlichen Funktionen sind gut, jedoch tropft
Hydrauliköl auf den Boden, was mich etwas beunruhigt. Das
nicht funktionierende Hinunterfahren stört mich nicht gross,
es hat ja alles einmal funktioniert, und dazwischen war nur der
Transport. Also ist wahrscheinlich ein Endschalter verstellt, und
das finde ich schnell heraus. Dem ist aber nicht so! Nach
längerem Suchen wird mir klar, dass das Magnetventil
für das Absenken seine Arbeit nicht tut. Entweder ist es
verstopft oder wirklich kaputt, auf jeden Fall muss es gewechselt
werden. Heute Abend kommt Heiner (wie üblich, bringt er als
Braumeister gleich eine Kiste Bier mit) zu einem Bier zu uns nach
Hause, und dann können wir mit ihm ja noch über das
weitere Vorgehen reden; vielleicht hat er eine gute Idee.
Donnerstag, 12. April
Ich fahre mit Elisabeth in die Stadt zum Elektriker. Wir
brauchen weiteres Elektromaterial und noch dringender einen
Elektriker, um die Vakuumpumpe zu installieren. Brendon, der
Geschäftsführer, ist um 08.15 Uhr schon dort und
vermittelt uns nach Anhören unserer Sorgen sofort einen
Elektriker für den ganzen Tag. Zurück in der Klinik ist
der Schreiner bereits am Arbeiten. Der Spitalelektriker
lässt sich nicht auftreiben, er hat sogar das Magazin
abgeschlossen und das nötige Material dort eingesperrt.
Hermann verlangt nun vom Klinikchef, dass er einen Fahrer
losschickt, den Elektriker zu suchen oder mindestens den
Schlüssel aufzutreiben. Um 10 Uhr erscheint der
Hauselektriker und bringt mir das nötige Material. Ich
erkläre ihm, dass die Vakuumpumpe nun durch einen andern,
auswärtigen Elektriker installiert wird und dass er mir
bitte einen Anschluss fertig machen soll. Nein, sagt er, heute
arbeite er nicht. Gestern hat er mir davon nichts gesagt. Der
gemietete Elektriker erscheint pünktlich und arbeitet sauber
und flink. Bis am Mittag habe ich mit dem Schreiner die
Säule samt Lampe an der Decke montiert und an den Strom
angeschlossen, ebenfalls den Röntgenapparat. Vor dem Mittag
ist auch der Elektriker mit der Vakuumpumpe fast fertig, sodass
er mir nach dem Mittagessen noch die Deckensäule
anschliessen kann. Um 15 Uhr sind wir elektrisch mit allem
fertig, nur der Sanitärler mit seiner Vakuumleitung ist
wieder nirgends zu finden.
Die Zahnarzteinrichtung ist nun fertig und funktioniert bis
auf den Stuhl. Ich habe bereits gestern festgestellt, dass ein
Hydraulikzylinder viel Öl verliert und für das Absenken
des Stuhls ein Magnetventil blockiert ist. Um überhaupt noch
etwas bewegen zu können, benötige ich dringend
Hydrauliköl. Dies zu beschaffen ist fast unmöglich,
sodass ich halt wieder zu meiner letzten Rettung, zu Heiner in
die Brauerei fahre. Er hat fassweise von diesem Öl, und nach
einer halben Stunde stehe ich mit zwei Litern Hydrauliköl in
der Klinik. Das Einfüllen in das System ist nun das
nächste Problem. Mit einer umgebauten Getränkeflasche
schaffte ich dies jedoch auch.
Nachdem das System wieder Öl hat und die Sitzfläche
abmontiert ist, sehe ich zum erstenmal, wo der Hydraulikzylinder
Öl verliert: nicht an der Manschette, sondern oben am Kopf,
was sehr ungewöhnlich und aus meiner Sicht auch nicht zu
beheben ist. Am Nachmittag zeige ich dies Hermann mit dem
Bescheid, es müsse ein neuer Zylinder beschafft werden. Er
glaubt mir das nicht und meint: "Wir bauen den Zylinder aus und
fahren damit zu Heiner, der kann das sicher reparieren". So
steigen nun ein Doktor und ein Elektroingenieur in die dreckige
ölige Arbeit und bauen mit grössten Schwierigkeiten den
Zylinder aus und fahren damit zu Heiner. Der schaut sich die
Sache kurz an und bestätigt meine Aussage, dieser Zylinder
sei nicht zu reparieren. Hermann gibt sich nicht geschlagen,
nimmt den Zylinder mit nach Hause und will den Kopf mit
Metallkleber reparieren. Bevor wir aber nach Hause fahren,
geniessen wir noch ein frisches kühles Bier mit Heiner.
Freitag, 13. April
In der Nacht ist wieder ein Riesenradau in der Umgebung und
ans Schlafen nicht zu denken. Heute morgen fahren wir mit dem
Schiff nach Tavanipupu. Dazu holt uns Erhard Erb, ein
70jähriger Schweizer Arzt im Spital, mit seinem Auto ab und
führt uns zum Hafen in Honiara. Eine riesige Menschenmenge
steht im und ums Schiff. Mit einer Stunde Verspätung
fährt es dann voll beladen ab. Es gibt mehrere
Möglichkeiten, nach Tavanipupu zu kommen. Vor dem Krieg
konnte man hinfliegen, 20 Minuten ab Honiara. Man kann jetzt mit
einem Kanu mit Aussenbordmotor fahren, ca. vier Stunden, oder man
nimmt das öffentliche Schiff der Einheimischen, das nach
Auskunft sechs bis acht Stunden braucht. Wir fahren nun eben mit
diesem Schiff. Es ist eher schwierig, damit zu reisen, da es
keine Sitzplätze hat. Die Passagiere stehen oder liegen, wo
es gerade Platz hat, nebst all dem Material, das die
Einheimischen mitschleppen.
Obwohl auf dem Schiff ein Alkoholverbot herrscht, trinken
einige junge Einheimische übermässig, und es kommt auch
prompt zu Anrempelungen. Dieses Schiff hält immer wieder in
Buchten und vor Dörfern an und lädt Leute und Material
aus, was zu starker Verspätung führt. Nach
vierzehneinhalb Stunden treffen wir um 22.30 Uhr in Tavanipupu
ein. Die Besitzer auf dieser Insel glaubten, wir kämen nicht
mehr und sind nun völlig überrascht, als das grosse
Schiff in der Nacht plötzlich vor der Insel auftaucht. Wir
werden herzlich empfangen, und eine Stunde später wird uns
das Nachtessen serviert. Völlig übermüdet legen
wir uns lange nach Mitternacht ins Bett.
Samstag, 14. April
Nach einem guten tiefen Schlaf erwache ich heute früh bei
herrlichstem Wetter im Paradies, ach nein, in Tavanipupu, in
einer wunderschönen Hütte, mitten in den Palmen am
Strand. Das Morgenessen wird direkt vor der Hütte serviert.
Tavanipupu ist eine traumhafte kleine Ferieninsel, ohne Strom,
ohne Lärm und mit nur einigen wenigen
Blätterhütten, mitten im Pazifik. Es ist eine Insel zum
Geniessen. Man kann baden, schnorcheln, tauchen, segeln, oder
auch einfach nur lesen und sich ausruhen. Ich habe jedenfalls
heute den ganzen Tag nur Berichte geschrieben und die Ruhe
genossen.
Sonntag, 15. April
Ostersonntag ist auch auf dieser Insel ein besonderer Tag.
Elisabeth hat sich bereits zu Hause darauf vorbereitet: Es stehen
buntgefärbte Ostereier auf dem Tisch, dazu Senf und
Mayonnaise von Thomy. Eine Flasche Champagner und Orangensaft
sind ebenfalls bereit. Nebst einer Wanderung rund um die Insel
und einem kurzen Bad verbringe ich den Sonntag mit Essen, Lesen
und Schlafen. Eine Überraschung hat unser Zimmermädchen
bereit. Sie findet eine ca. 1 m lange Schlange in unserem Haus.
Erhard nimmt die Nachricht mit wenig Begeisterung entgegen und
bemerkt, das Reptil müsse auf jeden Fall vor dem Abend
verschwinden. Die Einheimischen versprechen uns dies. Vor dem
Nachtessen suchen wir nochmals alle Ecken ab, und nun glauben
wir, dass die Schlange wirklich verschwunden ist. Vor dem
Zubettgehen begebe ich mit als erster ins Badezimmer, putze meine
Zähne und gehe zur Toilette. Mein Geschäft erledige ich
relativ rasch, denn ich entdecke auf dem Spülkasten unsere
Schlange. Spülen kann ich nicht, denn das Köpfchen der
Schlange liegt direkt neben dem Spülknopf. Erhard
verspürt nach meiner Entdeckung keinen Drang zur Toilette
mehr und schlüpft schnell ins Bett und unter sein
Moskitonetz, nachdem wir noch gemeinsam mit dem Bodendeckeli die
Türe zum Bad abgedichtet haben.
Montag, 16. April
Als erstes begebe ich mich auf die Suche nach unserer
Schlange. Sie hat sich über Nacht verzogen, und ich kann in
aller Ruhe das Bad benutzen. Die erste Frage von Erhard, unter
dem Moskitonetz hervor, lautet: "Wo ist die Schlange?" Ich kann
ihn beruhigen, und so kriecht auch er unter dem Netz hervor und
aus dem Bett.
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