|
Guten Tag. Ich bin Mike. Ich bin sechs Jahre
alt und komme ursprünglich nicht von den Solomon Islands.
Aber ich durfte einige Wochen da sein! Meine Zeit verbrachte ich
in der Kinderabteilung im National Referral Hospital in Honiara.
Nein, nein, ich war nicht krank! Ich durfte mit einer
Kindergärtnerin dort hin mit. Mit ihr zusammen konnte ich so
einiges erleben.
Im Gepäck hatten wir viele Farbstifte,
Hefte, Papier und Scheren, die wir von den Firmen Caran d'Ache
und Ingold aus der Schweiz grosszügigerweise erhalten haben.
Wir wussten nicht genau, was uns da erwarten wird und waren
natürlich sehr gespannt.
Während den ersten Stunden gingen wir von
Bett zu Bett und stellten uns vor. Phu... all die vielen Namen -
ich konnte sie mir nicht alle merken. Die Kinder glaubten, ich
komme auch von den Solomon Islands, aber weil ich kein "Pijin"
sprechen konnte, war der Fall dann sofort klar. Doch auch mit
Englisch konnten wir uns verständigen, und ich fand die
Kinder von Anfang an lieb, ausser die kleinen Babys, die haben
nämlich immer geschrieen wenn wir aufgetaucht sind. Am
Morgen hat jeweils eine Einheimische die Kinder in einem kleinen
Zimmer unterrichtet. Das nahm natürlich Rahel und mich
wunder. Wir durften an einem Morgen zusehen. Uns ist sofort
aufgefallen, dass die nur sehr religiöse Lieder singen. Dann
wurde Rahel aufgefordert, auch einmal zu unterrichten. Da durfte
ich mich mit ihr ganz vorne hinsetzen, und wir haben ein neues
lustiges Lied vorgesungen. Die anderen Kinder haben es sofort
gelernt, und wir haben es immer wieder gesungen. Von diesem
Moment an ging ich dann jeden Morgen mit den anderen Kindern in
die Schule. Rahel kam auch und so unterrichtete manchmal Florie,
die dunkelhäutige Frau, und manchmal Rahel. Sie hatten viele
Ideen und wechselten sich ab. Mit Rahel haben wir z. B. lustige
Sachen gebastelt während die andere Hälfte der
Kindergruppe mit Florie rechneten oder Schreiben lernten.
Manchmal blieb ich auch alleine im Schulzimmer. Rahel nahm dann
etwas Papier, Scheren und Stifte und ging dann zu diesen Kindern,
die aus irgendwelchen Gründen nicht aus den Betten gehen
konnten. So durften auch diese etwas lernen und basteln.
Je länger wir da waren, desto besser
kannten mich die Kinder und wurden immer offener zu mir. Auch in
den anderen Abteilungen wussten sie von mir. Wenn ich mit Rahel
durch die Gänge ging, hörte ich dann immer wieder
"Hello Mike". Ich glaube, sie haben mich fast ein bisschen besser
gekannt als Rahel. Aber das störte sie nicht.
Die Namen der Kinder habe ich dann schnell
gelernt. Die Kinder kamen wie ich sehr gerne in die Schule. Es
waren immer etwa 7 bis 12 Kinder da. Wir hatten wirklich grossen
Spass, verbrachten fröhliche Stunden und lernten viele neue
Lieder. Nach rund sechs Wochen mussten wir uns dann
verabschieden. Es war toll, all diese lieben Menschen kennen zu
lernen. Rahel und ich sind dankbar für jeden Moment, den wir
mit ihnen erleben durften. Ich werde meine dunkelhäutigen
Kameraden nie mehr vergessen - vor allem ihr Lachen nicht.
Mike
© September 2003 Rahel Leimbacher
|